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Weihnachten im alten Polen

10.12.2019

Weihnachten in Polen

Brief vom Weihnachtsmann * Video vom Weihnachtsmann

 

Wenn wir "Weihnachten in Polen" sagen, dann denken wir meist an "traditionelle Weihnachten". Aber wissen wir eigentlich, woher die heutigen Traditionen kommen, wie sie entstanden sind und wie viele von ihnen bis heute unverändert geblieben sind? Entgegen dem landläufigen Glauben ist die polnische christliche Symbolik reich an Bräuchen und Aberglauben, die ursprünglich nicht auf das Christentum zurückzuführen sind.

Die ersten Aufzeichnungen über das Weihnachtsfest in Polen stammen vom 25. Dezember 354. Die Wahl dieses Tages war kein Zufall. Es sollte ein anderes slawisches Fest verdrängen, die sogenannte Geburt der Unbesiegbaren Sonne (Sol Invictus).

Weihnachten wird dort manchmal als das Große Fest oder das Hochzeitsfest bezeichnet. Der Ursprung dieses Namens geht auf einen alten slawischen Hochzeitsbrauch zurück.  Bevor das Christentum auch auf polnischem Boden Fuß fasste, wurde dieser jedes Jahr am 25. Dezember gefeiert.

Heute ist Weihnachten der erste Tag, an dem der Zyklus der Feierlichkeiten und Gottesdienste im Zusammenhang mit den kirchlichen Bräuchen beginnen, welche die Geburt Christi ehren. Sie beginnen am 25. Dezember und dauern bis zum Dreikönigsfest am 6. Januar. In den meisten polnischen Haushalten beginnen die Feierlichkeiten unoffiziell bereits am 6. Dezember, da die ungeduldigen Kinder es kaum abwarten können, die Geschenke, die der Weihnachtsmann ihnen unter den Baum gelegt hat, in die Hände zu bekommen.

In der Vergangenheit war Weihnachten in Polen ein bedeutsames Ereignis, was man daran erkennen kann, dass die Vorbereitungen dafür damals bereits im Sommer begannen! Die Menschen sammelten Pilze in den umliegenden Wäldern und Früchte in Obstgärten, um sie anschließend für den Winter zu trocknen. Auch wurde Vorräte an Honig, Mehl, Nüssen, Heringen und Wildfleisch angelegt. Da es strengstens verboten war, an Heiligabend Hausarbeiten zu verrichten, mussten alle Arbeiten am Vortag abgeschlossen sein. Am 24. Dezember gingen die Fischer bei Tagesanbruch fischen. Dienstmädchen in wohlhabenden Familien und Hausfrauen mit ihren Töchtern in weniger wohlhabenden Haushalten bereiteten die Gerichte für den nächsten Tag vor.

Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten hatten auch einen spirituellen Aspekt. In der Adventszeit wurde jeden Morgen eine Roratemesse (Morgenmesse) abgehalten. Der Legende nach begann der Advent bereits am 11. November, dem Martinstag. Dieser Tag war auch ein besonderer Tag aufgrund von finanziellen Abrechnungen, Steuern und anderen Abgaben, die an diesem Tag vorgenommen und bezahlt werden mussten. Für viele war dieser Tag der letzte Tag des vergangenen Jahres. Nach dem 30. November mussten alle Formen der Unterhaltung eingestellt werden.

Werfen wir einen Blick auf einen traditionellen polnischen Haushalt. Was sehen wir dort? Das tägliche Treiben. Menschen, die mit der Reinigung und der Essenszubereitung beschäftigt sind. Was wir überraschenderweise nicht finden werden, ist ein Weihnachtsbaum! Der Brauch, Weihnachtsbäume zu schmücken, tauchte bei uns erstmals zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert auf. Die polnische Tradition beinhaltete das Platzieren von Strohbündeln in Raumecken, insbesondere in Räumen, in denen die Weihnachtsfeier an Heiligabend stattfand. In einigen Häusern pflückten die Leute etwas Stroh und wickelten es um die Obstbäume im Obstgarten, um im kommenden Jahr eine gute Ernte zu garantieren. Ursprünglich wurde dieser Brauch in allen sozialen Gruppen in Polen praktiziert. Mit der Zeit begann diese Tradition jedoch zu verblassen, und schließlich wurde sie nur noch von Bauern und der Unterschicht gepflegt.

Trotz ihrer Religiosität glaubten die Polen, dass an Heiligabend und manchmal auch zwischen den Jahren die Geister verstorbener Familienmitglieder ihre Haushalte persönlich besuchen würden. Jeder hat doch schon einmal davon gehört, dass man zum Abendessen am Heiligabend ein zusätzliches Tischdeck bereitet, oder? Tatsächlich glaubten unsere Vorfahren fest daran, dass diese leeren Plätze (oder der leere Platz, je nach Familie) von den toten Familienmitgliedern besetzt werden würden. Es gehörte sich, vor dem Hinsetzen auf den Stuhl zu pusten, um sicherzugehen, dass man sich nicht versehentlich auf die Seele einer verstorbenen Person setzt. Zu den verbotenen Tätigkeiten am Heiligabend gehörten auch die Hausarbeit, das Hacken von Holz, das Kochen sowie das Nähen. All dies sollte die zu Hause anwesenden Geister vor unbeabsichtigten Verletzungen schützen. Die unsichtbaren Gäste erhielten auch eine Oblate auf ihrem Teller.

Den Wohlstand eines Haushalts für das ganze Jahr sicherzustellen war jedoch keine leichte Aufgabe und erforderte viele Schritte. So musste zum Beispiel an Heiligabend eine gerade Anzahl von Menschen am Tisch sitzen. Wenn dies nicht der Fall war, war Pech unvermeidlich, und wenn die Anzahl der Festteilnehmer 13 war, war jede Aussicht auf Wohlstand im kommenden Jahr verloren. Gut situierte Familien luden ihre Bediensteten an den Tisch, um auf eine gerade Zahl zu kommen. Ein Gegenstand aus Eisen, wie zum Beispiel eine Sichel oder eine Axt, musste unter dem Tisch platziert werden, damit die Gäste ihre Füße darauf legen konnten. Dies galt als ein Mittel, um Pech abzuwehren. Einige Literaturtexte deuten darauf hin, dass Eisen als Symbol für "starke Beine" galt und die Gäste sich so vor Verletzungen durch Dornen schützen würden. Auch die Region Podhale besaß interessante Bräuche: Der Gastgeber zerbrach die Oblate, benannte sie nach einem der Haushaltsmitglieder, tränkte die Oblate dann in Honig und klebte sie an das Fensterglas. Die Bedeutung dieses Rituals war jedoch wesentlich weniger erfreulich; wenn die Scheibe schnell herunterfiel, so wurde dies als Zeichen für den baldigen Tod der betreffenden Person angesehen.

Der Morgen des 25. Dezember war voller Verordnungen und Verbote. Der Legende nach durften Frauen am Morgen keine anderen Haushalte besuchen, da dies Unglück mit sich bringen würde. Interessanterweise traf der negative Aspekt dieses Aberglaubens nicht auf Männer zu –  im Gegenteil! Die Ankunft eines Mannes an der Türschwelle verheißte Wohlstand für den Haushalt.

Während einige das Abendmahl vorbereiteten, wanderten Sternsinger – kleine Jungen – von Tür zu Tür und sangen Lieder. Dies war auch eine perfekte Gelegenheit, sich dem zukünftigen Ehepartner zu präsentieren. Schriftlichen Quellen zufolge mussten Jungfrauen (junge unverheiratete Frauen) vor allem an diesem Tag ihre Häuser sauber halten, da dies ein Zeichen für ihre Fähigkeiten als zukünftige Hausfrauen war.

Haben die Sternsinger im alten Polen die gleichen Lieder gesungen wie heute? Das Wort "kolęda" ("Weihnachtslied") stammt aus dem Lateinischen "calendae", was "der erste Tag eines jeden Monats" bedeutet. In Polen bezog sich der Name "Weihnachtslieder" nicht auf religiöse Lieder, sondern auf Neujahrslieder. Religiöse Lieder, die aus mittelalterlichen lateinischen Hymnen stammten, wurden in Europa von Franziskanerfamilien verbreitet. Der Legende zufolge wurde das erste Lied von St. Franziskus geschaffen. Polnische Legenden erwähnen Lieder wie "Anioł pasterzom mówił". ("Der Engel erzählte den Hirten"), "Zdraw bądź królu anielski" ("Sei vernünftig, König der Engel ") oder "W żłobie leży" ("Er liegt in der Krippe") – alle geschrieben von Piotr Skarga. Die Lieder, die wir heute kennen, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Dazu gehören Stücke wie: "Jezus malusieńki" ("Der kleine Jesus"), "Bóg się rodzi" ("Gott wird geboren") sowie "Gdy śliczna Panna" ("Wie die wunderschöne Jungfrau"). Neben den traditionellen Weihnachtsliedern war eine andere Art von Liedern – Pastorale – sehr beliebt. Dies waren melodiöse Lieder voller Energie, die vom Alltag erzählten und in einem umgangssprachlichen lokalen Dialekt geschrieben wurden.

Das polnische Wort für Heiligabend – "Wigilia" – stammt aus dem Lateinischen und "vigilare" bedeutet "wachsam sein", während "vigilia" "Nachtwächter" (Wachdienst) bedeutet. Die Bräuche an Heiligabend stammen von den vorchristlichen Feierlichkeiten der Wintersonnenwende. Die Magie des Heiligen Abends sollte auf viele verschiedene Arten zum Vorschein kommen. Anscheinend begannen Tiere wie Menschen zu sprechen (leider waren die von ihnen überbrachten Nachrichten nicht gut – sie verkündeten den Menschen den Tag ihres Todes), Blumen blühten unter dem Schnee (einige Legenden erwähnen die Farnblume, die um Mitternacht erblühte und funkelte), Bäumen wuchsen für einen Moment grüne Blätter, Wasser in Flüssen und Brunnen verwandelte sich in Honig oder Wein und der Boden zitterte und enthüllte im Inneren verborgene Schätze.

Aber welcher Aberglaube war an diesem Tag entscheidend? Das Hinlegen war auch den Leidenden und Schwachen nicht erlaubt, da man glaubte, dass dadurch eine noch schlimmere Krankheit entstehen würde. Ein altes Sprichwort besagt: "Das ganze Jahr wird sich nach diesem Tag richten". Andere verbotene Aktivitäten waren das Spucken auf den Boden, das Verschütten von Spülwasser, das Mahlen von Getreide, das Spinnen auf einem Spinnrad, während scharfe Gegenstände wie Messer, Scheren und Nadeln nur in dringenden und besonderen Situationen verwendet werden durften – sie hätten die Geister der Vorfahren verletzen können, die sich im Haus aufhielten! Dieser Tag sollte frei von Streitigkeiten, Konflikten und Sorgen sein. In einigen Teilen Polens mussten Kinder nur mit einem Hemd bekleidet dreimal um das Haus laufen. Dies sollte sie abhärten und vor Krankheiten schützen. Diejenigen, die ihre Gesundheit und Schönheit bewahren wollten, wuschen sich in einer Schüssel mit kaltem Wasser, auf deren Boden Silbermünzen lagen. Das Ausleihen von Gegenständen jeder Art war strengstens verboten, da dies dem Glauben nach zu Knappheit im kommenden Jahr führen würde.

Vor dem Fenster wurde es langsam dunkel. Die Familie versammelte sich, um sich an den gedeckten Tisch zu setzen und die Gesellschaft der anderen zu genießen, während sie auf den ersten Stern am Himmel warteten. Sobald dieser erschien, gingen die Eltern aus dem Haus, mit der Oblate auf dem Teller. Jedes Haushaltsmitglied, einschließlich der Bediensteten, teilte die Oblate miteinander und wünschte einander frohe Weihnachten. Eine der Vorraussetzungen für das Abendessen war, dass sich niemand an den Tisch setzte, während er mit jemand anderem im Streit lag. Selbst die größten Feinde wurden vom Gastgeber gebeten, sich gegenseitig die Hände zu schütteln und einander zu vergeben. Ein beliebtes Spiel am Tisch bestand darin, einen Strohhalm unter der Tischdecke herauszuziehen. Wenn eine Frau einen grünen Strohhalm herauszog, bedeutete dies, dass sie bald heiraten würde. Wenn der Halm fahl war, so musste sie sich noch etwas gedulden, bis der Antrag gestellt würde. Ein ausgetrockneter Strohhalm galt als Vorbot der Ehelosigkeit. Während des Abendessens mussten alle Festteilnehmer jedes der 12 Gerichte probieren, damit "keine Freuden des Lebens an ihm oder ihr vorübergehen".

Die Polen praktizierten auch das Fasten, welches bei Tagesanbruch begann und bis zum Erscheinen des ersten Sterns andauerte. Auch der Verzehr von Fleisch war an diesem Tag verboten. Eine traditionelle Familie teilte sich morgens eine Oblate, während die Frau des Haus jedem eine Scheibe einfaches Brot gab.

Um auf die traditionellen Gerichte zurückzukommen, sei erwähnt, dass die Tische, welche wunderschön mit Wacholder dekoriert wurden, reich an Speisen waren, und zwar nicht irgenwelchen Speisen! Lebkuchen, bekannt als "Katarzynki" ("Katharinenlebkuchen"), mit Honig hergestellt und voller Kräuter und Gewürze, erfreuten sich bereits im 13. Jahrhundert großer Beliebtheit. Viele Legenden besagen, dass drei Suppen auf dem Tisch serviert werden mussten – Mandelsuppe, Borschtsch mit Knödeln und Pilzsuppe mit Hering. Die Bediensteten aßen Kutia (süßen Getreidepudding) und die Familienmitglieder aßen Meerrettichringe, Karpfen, Hecht mit Safran, Kuchen mit Honig und Mohn sowie Barsch in Olivenöl mit geschnittenen Eiern. Die Kinder freuten sich auf Strudel mit Früchten, Kirschen und Birnen, während Erwachsene auf Gebäckpastete mit Fischleber ("chucherki") hofften. Gerichte, die heute in Polen als traditionell gelten, wie saure Roggensuppe und Bigos, kommen nicht aus Polen, sondern aus Deutschland. Auch Pierogi (polnische Knödel) sind beispielsweise erst aus Ungarn nach Polen gekommen.

Gerichte mit Mohn, welche auch eine magische Bedeutung besaßen, waren ein fester Bestandteil. Strudel mit Mohn, Mohnmilch und anderen Zutaten waren nicht nur ein Genuss für den Gaumen, sondern dienten auch dazu, die Lebenden mit der Welt der Toten zu verbinden. Man glaubte, dass, da Mohn tiefen Schlaf verursachte und sich ein schlafender Mensch in der Unterwelt befand, er oder sie durch den Verzehr von Mohn auch Zugang zu dieser haben würde. Die Tradition verlangte, dass alle Feldfrüchte, die auf dem polnischen Land angebaut wurden, auf dem Tisch serviert werden mussten. Mehlbasierte Gerichte von den Feldern, Obst und Nüsse aus den Obstgärten, Gemüse aus dem Garten, Pilze und Beeren aus dem Wald sowie Fisch aus dem Wasser. Außerdem musste Stroh unter die Tischdecke gelegt werden. Das Getreide war zweifellos das wichtigste und entscheidende Symbol der Weihnachtszeit – ein Verweis auf die Bethlehemkrippe. Nach dem Abendessen besuchte die gesamte Familie gemeinsam um Mitternacht die Weihnachtsmesse, um den Heiligabend abzuschließen und das bevorstehende neue Jahr in Frieden zu beginnen.

Wie passt der Weihnachtsmann in all das hinein?

Vielen Legenden zufolge war der Weihnachtsmann (Sankt Nikolaus) der Bischof von Myra. Er war ein Musterbeispiel für Frömmigkeit und Barmherzigkeit. Seine Wurzeln reichen bis in das Römische Reich des 4. Jahrhunderts zurück. In seiner Jugend gab er großzügig Almosen an Bedürftige und half den Armen. Legenden über Nikolaus machten ihn zu einem Schutzpatron von Seeleuten, Mönchen, Gelehrten, Studenten, die Prüfungen ablegen, sowie von jungen unverheirateten Frauen. In der polnischen Kultur ist St. Nikolaus erst seit kurzem als großer Kinderfreund bekannt, der sie für ihre guten Taten belohnt. Die meisten Menschen erkennen die Figur des Heiligen Nikolaus ohne Zweifel, und Kinder können sich Weihnachten ohne ihn nicht vorstellen. Bemerkenswert ist, dass der Adventskalender und der Weihnachtscountdown ebenfalls durch den Weihnachtsmann beliebt geworden sind. Tatsächlich nimmt der Adventskalender in verschiedenen Ländern unterschiedliche Formen an, so dient er in Deutschland als ein Gesteck mit vier Weihnachtskerzen, allerdings ist er in seiner heutigen Form vor allem durch die Popularisierung und Vermarktung von Weihnachten geprägt.

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